September 2021

Wir freuen uns sehr über das Interesse an unserem vierten HSBA Finance Blog! Viel Spaß beim Lesen des September-Blogs.

Monatliches Marktupdate

Historisch betrachtet ist der September der schwächste Monat an den Börsen. Dies hat sich im vergangenen Monat bewährt. Insgesamt hat der September durch stärkere Verluste dazu beigetragen, dass das gesamte 3. Quartal nach einem starken Juli und August keine starken Gewinne verbuchen konnte und quartalsbetrachtet eine Seitwärtsbewegung aufzeigte. Die globalen Aktienmärkte verzeichneten insgesamt einen Verlust von -3,7% im September.

In diesem Monat haben mehrere Ereignisse an den globalen Finanzmärkte zu Unsicherheiten geführt. Zum einen hat die Fed (Federal Reserve) angekündigt, dass sie ab November diesen Jahres mit dem sogenannten Tapering beginnen werden, also einer Verringerung des Volumens ihrer Anleihekäufe, welche Mitte nächsten Jahres wahrscheinlich ganz zum Erliegen kommen werden. Im Zusammenhang damit wird nun auch antizipiert, dass die Zinsen wohl schon im zweiten Halbjahr des kommenden Monats steigen werden, anders als bislang erwartet in 2022. Weitere Unruhen wurden hervorgerufen durch die steigende Inflation (beispielsweise 3,9% im Euroraum), weitere globale Lieferengpässe, nun auch verstärkt vor den US-Amerikanischen Häfen, die Energiekrise in China und die Evergrade-Krise. Vor allem letzteres erinnert den ein oder anderen Investor an die Anfänge der Finanzkrise aus 2008 und führt zu einer Unruhe bei vielen Investoren.

Trotz der Evergrade-Krise hat der chinesische Markt besser abgeschnitten als die Märkte von entwickelten Staaten. So field er DAX, der erstmalig nun 40 Werte enthält, um 4,82%, der Dow Jones 2,20% und der Eurostoxx 4,98%. Der Shanghai Composite verlor insgesamt 1,48%.

Nach diesem turbulenten Monat bleibt es nun spannend, wie die Weltwirtschaft in diesen Herbst starten wird, vor alle im Hinblick auf steigende Corona-Fallzahlen. Zudem wird erwartet, dass das anlaufende Weihnachtsgeschäft die globalen Lieferketten weiter belasten wird.

Quellen: ampcapital.com

Autorin: Xenia Krouptchenkova

Ölpreis auf Rekordhoch – Wie geht es weiter?

Während sich die Ölpreise im Jahr 2020 noch auf historisch niedrigen Kursen bewegten, hat die Nordseesorte Brent kürzlich die Marke von 80USD je Barrel überschritten und markiert somit ein neues Drei-Jahres-Hoch. Auch das WTI – Öl ist im Preis stark angestiegen und handelt derzeit bei ca. 74USD je Barrel (Stand: 01.10.2021), nachdem im April 2020 für kurze Zeit negative Preise zu Buche standen. Dies merkt man auch im Alltag – so steigen beispielsweise die Durchschnittspreise für Benzin und Diesel an Tankstellen kontinuierlich an. 

Doch woher kommt dieser rasante Preisanstieg und was kann hinsichtlich der Nachhaltigkeit dieser Entwicklung festgehalten werden? 

Die Frage nach den Ursachen der Preisinflation ist zumindest oberflächlich schnell geklärt: Die Expansion der Nachfrage an Öl übersteigt derzeit die mögliche Ausweitung des Angebots.  

Einhergehend mit einer starken Erholung der Weltwirtschaft steht ein erhöhter Bedarf an Öl- und Ölprodukten. Derzeit kann dieser Bedarf allerdings nicht gedeckt werden. Dies liegt vor allem daran, dass die Produktion im Golf von Mexiko durch den Hurricane „Ida“ stark ins Stocken geraten ist und es immer noch Probleme gibt, diese wieder vollständig hochzufahren. Das ansteigende Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage setzt die OPEC, die Vereinigung Öl-exportierender Länder, stark unter Druck. So einigten sich die Mitgliedsstaaten auf eine stetige Erhöhung der Förderungsrate. Trotz dessen melden auch Mitgliedsstaaten der OPEC, beispielsweise Angola und Nigeria, Probleme bei der Ölförderung. Viele Anlagen seien beschädigt und Wartungsarbeiten verzögerten sich. Letztendlich kann man festhalten, dass die limitierenden Faktoren für die Ölförderung eher von kurzfristigem Charakter sind. Dennoch nehmen sie großen Einfluss auf das Preisgefüge und dementsprechend sollte man einen weiteren Anstieg des Ölpreises nicht ausschließen. So schrieb die Investment-Bank Goldman Sachs, das Angebotsdefizit sei sogar noch größer als erwartet. In diesem Rahmen erhöhten die Analysten ihre Prognose für den Preis von Brent bis Jahresende von 80USD auf 90USD je Barrel. 

Doch nun zur eigentlichen Frage: Was lässt sich für die Zukunft der Ölnachfrage prognostizieren? 

Während einige Stimmen das Öl bereits komplett abgeschrieben haben, gibt es auch Gegenpositionen, die diesen Rohstoff als eine unerlässliche Energiequelle sehen – auch in der Zukunft. Die OPEC hat im September eine Prognose veröffentlicht, den „World Oil Outlook“ (WOO). Dieser ist auch über den Link am Ende des Beitrages zu erreichen. Die OPEC geht davon aus, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten „Energiemix“ von 2.5% in 2020 auf 10% oder mehr in 2045 steigen wird. Nachhaltigere Energiequellen würden allerdings eher die Kohle als das Öl verdrängen. So soll der Ölbedarf bis 2026 weiterhin deutlich steigen, vor allem getrieben durch aufstrebende Länder wie Indien.  

Ab 2026 soll diese Wachstumskurve deutlich abflachen, was vor allem an einer sinkenden Öl-Nachfrage in weiter entwickelten OECD-Staaten liegen soll. Ab 2036 wird eine Stagnation des Bedarfs prognostiziert.  

Wenn man nun die relevantesten Informationen zusammenfügt, so lässt sich kurz- bis mittelfristig von einem steigenden Ölbedarf ausgehen. Jedoch sollte man stets die Konjunkturabhängigkeit des Ölmarktes beachten. Die Preise können sehr volatil sein und reagieren stark auf Schwankungen der Weltwirtschaft. Langfristig prognostizieren die meisten Experten eine Stagnation oder sogar einen Rückgang an Öl-Nachfrage, was vor allem mit der Entwicklung neuer Technologien und dem Nachhaltigkeitsbestreben vieler Länder zu begründen ist. 

Letztendlich sei gesagt, dass die beschriebenen Aussichten mit einer gesunden Skepsis zu genießen sind: Denn unerwartete Ereignisse, wie es die Corona-Pandemie beispielsweise war, aber auch die potenzielle Erforschung völlig neuer Technologien in der Zukunft könnten einen großen Einfluss auf die Nachfrage an Öl bekommen. 

Quellen: woo.opec.org, onvista.de, zeit.de, faz.net, tagesschau.de/importierte-inflation, tagesschau.de/ölpreise, focus.de, thefrontierpost.com, investor-verlag.de, wallstreet-online.de

Autor: Christoph Thurow

Inflationsschreck; Gründe des gestiegenen Preisniveaus

Die Inflation in Deutschland im Jahresvergleich stieg im September laut Statistischem Bundesamt auf 4,1 %, so hoch wie seit knapp 30 Jahren nicht mehr.  Woher kommt die Preissteigerung und müssen wir uns Sorgen um eine übermäßige Geldentwertung machen?  

Die Preise steigen; gerade die Energie ist im Vergleich zum Vorjahr um 14,3 % teurer. Die Verteuerung bei Nahrungsmitteln liegt im September bei 4,9 % und für Dienstleistungen bei 2,5 %, darunter der Preisanstieg der Wohnungsmieten von 1,4 %. 

Bestimmte Sonderfaktoren sorgen für einen Preisauftrieb, wie das Auslaufen der vorrübergehend gesenkten Umsatzsteuersätze.  

Die Inflationsraten sind durch den Basiseffekt verzerrt. Das heißt, dass aktuelle Verbraucherpreise mit der wieder normalen Umsatzsteuer von 19 % mit den Verbraucherpreisen von vor einem Jahr mit verminderter Umsatzsteuer verrechnet werden. Welcher Teil nun eine tatsächliche Preissteigerung ist, ist daher schwer zu sagen.  

Des weiteren tragen die erhöhten Energiekosten stark zum Preisschub bei und ziehen den Durchschnitt der Inflation nach oben; gerade durch das Einsetzen der Maßnahmen im Rahmen des Klimapaketes. Die seit Anfang des Jahres erhobene CO2-Bepreisung von 25 Euro pro Tonne CO2 lassen die Verbraucherpreise stark steigen. Abgesehen davon werden die Unternehmen zum Umbau zu einer umweltfreundlicheren Produktion gezwungen, deren Kosten in Zukunft an die Konsumenten in Form von höheren Preisen weitergegeben wird.  

Weitere Faktoren sind die pandemiebedingten Lieferengpässe auf der Angebotsseite. Die sich nach der Pandemie erholende Produktion in Industrieländern gerät ins Stocken. Beispielsweise kann die Autoindustrie in Deutschland wegen Mangel an Microchips nicht in vollem Maße produzieren. Die ungewollte Verknappung und das Stocken der Produktion lassen in vielen Branchen die Preise breitflächig steigen.  

Auf der anderen Seite steht die wieder steigende Nachfrage, der Nachholeffekt durch die erweiterten Lockerungen. Es wird geschätzt, dass sich ca. 200 Mrd. € an Kaufkraft während der Pandemie für 2020 und 2021 aufgestaut haben. Natürlich wird dies nicht in vollem Maße aufholbar sein, ist aber ein Ansatz für die nun hohe Nachfrage.  

Die Frage ist, ob sich das entstandene Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wieder ausbalancieren wird oder ob sich die Lage in Zukunft weiter verschärfen wird. 

Die Kerninflation liegt lediglich bei 2,8 % für den Monat August 2021. Also die Entwicklung der Verbraucherpreise unter Herausrechnung der volatilen Energie- und Lebensmittelpreise. Diese Entwicklung gibt Hoffnung, dass es sich um vorübergehende Schwankungen und Sondereffekte handelt; es bleibt jedoch abzuwarten.  

Die EZB könnte der steigenden Inflation entgegenwirken, durch beispielsweise eine Erhöhung des Leitzinses oder durch den Kauf von Staatsanleihen. Dies hat sie auch angekündigt, sofern sich die Inflation in der Eurozone beruhigt hat.  

Eine zu frühe Straffung der Geldpolitik würde zwar den Sparer freuen, jedoch könnte es einen leichten wirtschaftlichen Aufschwung hemmen oder sogar stoppen ohne, dass die Inflation zurück geht.  

Eine Stagflation könnte wie in den 1970er Jahren zu einer weiteren Krise führen. Außerdem könnte durch den Rückgang von Investitionen und die höhere Staatsverschuldung der wirtschaftlich bezahlbare Ausweg aus der Pandemie zu einer unbewältbaren Herkulesaufgabe mutieren.  

Spannend ist, wie sich die Inflation bis Anfang des nächsten Jahres entwickelt, wenn die Pandemieeffekte auslaufen. Es gibt viele verschiedene Faktoren, die Einfluss auf die derzeitige Situation haben. Es bleibt abzuwarten, welche sich als ausschlaggebend herauskristallisieren und wie dann die Inflationslage, losgelöst von dem verzerrenden Bild von Sondereffekten, tatsächlich aussieht.

Quellen: bmwi.de, inflationsrate.com, destatis.de, handelsblatt.com/finanzen, handelsblatt.com/politik, focus.de, zeit.de

Autorin: Leonie

Chinesischer Immobilienriese Evergrande strauchelt

Evergrande ist seit ein paar Wochen immer wieder in den Medien, auch die Börse ist verunsichert, denn die Furcht vor einer möglichen Insolvenz des Unternehmens ist präsenter. Doch was ist Evergrande überhaupt?


Die Aktiengesellschaft Evergrande ist mit 67,8 Mrd. Euro Umsatz (2020) das zweitgrößte Immobilienunternehmen Chinas und hat über 120.000 Mitarbeiter (Stand 2020). Das 1996 gegründete Unternehmen fuhr seit einigen Jahren einen aggressiven Expansionskurs, den es mit Krediten finanziert hat. Mittlerweile hat der Konzern über 300 Mrd. Dollar Schulden angehäuft.


Als Spekulationen über die Zahlungsunfähigkeit des Konzerns im letzten Monat öffentlich kundgetan wurden, reagierten die Märkte darauf mit starken Kursrückgängen bei Evergrande, aber auch an den internationalen Aktienbörsen herrscht generelle Unsicherheit.


Eine Insolvenz könnte verherende wirtschaftliche Folgen haben, die besonders den chinesischen Banken- und Immobiliensektor treffen könnten. Fraglich bleibt, ob die chinesische Regierung den Konzern durch staatliche Eingriffe vor einer Insolvenz bewahren würde. Am 29.09. hat Evergrande die Frist für eine Zinszahlung über 47,5 Mio. Dollar und die Woche davor eine weitere Frist in Höhe von 83,5 Mio. Dollar verstreichen lassen. Ab diesen Stichtagen hat Evergrande 30 Tage Zeit, um die ausstehenden Zahlungen zu leisten, andernfalls gilt der Konzern als zahlungsunfähig.


Am Morgen des 04. Oktober kam die Meldung, dass die Aktien von Evergrande vom Handel ausgesetzt sind. Grund: Evergrande plant, 51% der eigenen Immobilienverwaltungsgesellschaft „Evergrande Property Service Group“ für mehr als 5 Mrd. Dollar an den Konkurrenten „Hopsen“ zu verkaufen, dessen Aktie vorerst auch vom Handel ausgesetzt ist. Das Geld kann Evergrande gut gebrauchen, denn in den kommenden Wochen stehen Zinszahlungen für Anleihen in Höhe von 162 Mio. Dollar an.

Auch wenn eine Insolvenz von Evergrande gravierende Folgen hätte, würden diese, anders als bei der Pleite von Lehman Brothers, nicht derart international zu spüren sein. Vor allem chinesische Banken und Anleger sind bei Evergrande investiert, zudem ist der chinesische Finanzmarkt weitgehend abgeschottet von der restlichen Welt, sodass eine potentielle Insolvenz vor allem nationale Folgen hätte.

Quellen: China Evergrande Group – Annual Report 2020 tagesschau.de/evergrande-handel-ausgesetzt, tagesschau.de/marktberichte, manager-magazin.de, capital.de

Autor: Friedrich von Freymann

Aktienanalyse: Johnson & Johnson

Johnson & Johnson (ISIN US4781601046) ist der weltgrößte und am besten diversifizierte Pharmakonzern und kann auf eine über 100 jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken, die ihn mehr hat wachsen lassen als direkte Konkurrenten wie Roche oder Novartis. J&J hat sich zum Ziel gesetzt, Menschen in jedem Alter so gesund wie möglich zu halten und beschäftigt über 130.000 Mitarbeiter, die täglich an neuen Präparaten forschen und moderne Medizintechnik entwickeln. Der Konzern hat eine Marktkapitalisierung von 364 Mrd. EUR und besteht aus insgesamt 260 eigenständigen Unternehmen, welche in drei Sparten unterteilt werden können. Die umsatzstärkste dieser Sparten ist das Pharmageschäft, wo Johnson & Johnson der größte Hersteller von verschreibungspflichtigen Medikamenten ist. Die zweite Sparte in der das Unternehmen tätig ist, ist die Medizintechnik, wozu unter anderem Produkte wie Künstliche Implantate, Prothesen und auch Sterilisationsprodukte fallen. Das kleinste der drei Sparten ist das Geschäft mit frei verkäuflichen Produkten für Konsumenten, wie zum Beispiel Babypflege, Mundhygiene und Körperhygiene. Zu den bekanntesten Marken des Konzerns zählen unter anderem Bebe, Listerine, Regaine und OB.  

Johnson & Johnson Aktie als Investment 

Durch diese breite und gut diversifizierte Aufstellung ähnelt J&J einem Gesundheits-ETF und machte es dem Konzern möglich in den letzten 35 Jahren, den bereinigten Gewinn in jedem einzelnen Jahr zu erhöhen. Auch in Zukunft dürften weitere Gewinnsteigerungen möglich sein, denn durch den medizinischen Fortschritt, eine steigende Lebenserwartung in Industrie- und Schwellenländern, sowie dem wirtschaftlichen Aufstieg in Asien und Afrika, steigt die Nachfrage nach medizinischen Produkten kontinuierlich an. 

Durch die jährlichen Dividendenerhöhungen in 57 Jahren am Stück kann sich der Konzern zum erlesenen Kreis der Dividendenkönige zählen. Derzeit liegt die Dividendenrendite des Unternehmens bei derzeit ca 2,66% und steigert diese jährlich um etwa 6%, was ein durchaus attraktiver Wert ist, zudem die Ausschüttungsquote bei unter 50% liegt. Hinzu kommen weiterhin langfristige Kursgewinne, die die Rendite weiter in die höhe treiben. In den letzten 10 Jahren konnte sich der Aktienkurs so mehr als verdoppeln.  Unter Anleger:innen ist der Konzern unter anderem auch durch seine hohe Stabilität beliebt, da das Geschäftsmodell kaum von der Konjunktur abhängig ist und auch die Bilanzen eine sehr geringe Verschuldung aufweisen. Aus diesen Gründen wird Johnson & Johnson auch bei den Rating Agenturen hoch angesehen und mit der Bestnote AAA bewertet. Die Aktie ist derzeit mit einem KGV von 24 bewertet und liegt somit nur leicht über dem Durchschnitt der letzten Jahre, welcher bei ca 20,9 liegt. Ob die Aktie jedoch einen Kauf wert ist liegt im eigenen ermessen der Investor:innen.

Quellen: alleaktien.de

Autor: Luca Schröder

ETFs: Segen für den Anleger, Fluch für die Finanzmärkte?

ETFs sind eine beliebte Anlage unter vielen (Privat-)Investor:innen. Die Gründe dafür sind weit bekannt: niedrige Kosten und ein hohes Maß an Diversifizierung sind nur zwei Aspekte der weit verbreiteten positiven Resonanz zu dem Finanzprodukt. Woran viele Anleger:innen aber häufig beim Kauf nicht nachdenken, sind die Folgen des Anstieges vom investierten Kapital in ETFs für die Stabilität unserer Finanzmärkte. Können ETFs die Grundsätze des Investierens aus dem Schwanken bringen und für neue Krisen am Kapitalmarkt sorgen? Ein Überblick:

Kehren wir nun am Anfang zurück zu einem der Grundsätzen des Investierens: der Bewertung nach dem Fair Value. Kurz gesagt ist das der Wert, unter welchem zwei Parteien bereit sind, einen Vermögenswert zu tauschen. Schaut man sich den Fair Value am Beispiel der Anlageklasse Aktien an, so stellen wir fest, dass mittels Fundamentalanalyse und der Einschätzung aller sich am Markt befindenden Informationen ermittelt wird, zu welchem Preis eine Aktie fair bewertet ist. Natürlich wird dieser in der Realität oftmals nicht widergespiegelt, dennoch wird die Entscheidung, ob ein Kauf oder Verkauf erfolgen sollte, häufig an dem Fair Value festgelegt. 

Und somit sind wir nun bei unserem ersten Problem, wodurch ETFs die Stabilität der Finanzmärkte ins Wanken bringen können. Investor:innen weltweit verbringen Stunden damit, Fundamentalanalyse zu betreiben und verschiedenste Informationen zu verwerten. Sie betrachten unter anderem die Marktposition des Unternehmens, nehmen die Kennzahlen unter die Lupe und versuchen zu prognostizieren, wie sich das Unternehmen zukünftig entwickeln wird. Nur so sorgen Analyst:innen und Fondsmanager:innen sowie Privatanleger:innen dafür, dass der Marktwert eines Anteils des Unternehmens fair bewertet ist und sorgen so idealerweise für eine gewisse Harmonie in unseren Märkten. Auch wenn dies natürlich nie für alle sich am Markt befindenden Produkten der Fall ist, ist es dennoch ein Grundsatz, nachdem viel gehandelt wird. Die ETFs disruptieren im Kern den Grundsatz der fairen Bewertung von Unternehmen am Kapitalmarkt. Aktien werden in gewissen Zyklen ins Portfolio der ETFs aufgenommen, meist aufgrund ihrer Positionierung in einem Index oder aufgrund ihrer Performance. Die Kriterien, unter welchen Werte aufgenommen oder abgestoßen werden, basieren nicht auf dem Fair Value des Unternehmens, dieser gerät so also bei Käufen und Verkäufen von ETFs in den Hintergrund. Eher stehen Aspekte wie z.B. Marktkapitalisierung im Vordergrund. So können diverse Aktien durch immense Zuflüsse von Geldern in ETFs ihren Wert weit über die faire Bewertung steigern und andersherum können Aktien, die aus einem ETF genommen werden, aufgrund dessen, dass diese nicht mehr im zugrundeliegenden Index abgebildet werden weit unter ihre Faire Bewertung fallen.

Ein Beispiel zur Veranschaulichung: ein ETF mit geringer Volatilität wählt Aktien mit geringeren Schwankungen aus. Wenn nun aber äußere Umstände (z.B. Zinsanstiege) die Aktienmärkte aufwirbeln und die Aktien in ihrem Wert überdurchschnittlich fallen, werden sie volatiler. Daraufhin kommt es zu vielen Zwangsverkäufen der Aktien aus den ETFs, da diese nicht mehr zur Strategie passen. In diesem Fall fallen diese Aktien nur noch weitaus stärker, als dies ohne ihre Beteiligung in einem ETF der Fall wäre.

Doch dieses Problem betrifft nicht nur Einzeltitel sondern kann im Zweifel auch eine weite Auswirkung auf den Finanzmarkt haben. Wenn es an den Börsen zu einem Crash kommt, wie beispielsweise im vergangenen Jahr, so können viele ETF-Besitzer:innen ihre Anteile, die ja höchst liquide sind, schnell auf den Markt werfen, was den Effekt des Crashes nur noch verstärkt und die Verluste erhöht. Natürlich würden Anleger:innen in solch einer Situation auch diverse Aktien abstoßen, allerdings ist es unwahrscheinlich, dass sie alle Einzeltitel besitzen, die ein ETF enthält. Somit fördern die Verkäufe von ETFs weitere Kursverluste von Unternehmen, von welchen den Privatanlegern oftmals nicht wissen, dass diese im Portfolio sind. Stoßen nun in einer Krise sehr viele Anleger ihre ETFs ab, so erhöhen sie somit die Kursverluste weiter. Dies ist ein Phänomen, welches vor allem bei sog. Flash-Crashes beobachtet wurde. Doch auch in positiveren Zeiten mit steigenden Kursen können Anleger:innen mit solch einem Produkt die Kurse weiter nach oben treiben, welches zu einer Blasenbildung führen kann. Natürlich kann dies auch durch Anleger:innen verursacht werden, die besonders viele Aktien in dem Zeitraum kaufen oder verkaufen, allerdings sind diese oftmals weniger liquide und den Einzeltiteln kommt in der Analyse immer noch mehr Zeit zu als bei den Werten in den ETFs. ETFs könnten somit als Verstärker von Krisen sowie Blasen gelten.

Für Anleger:innen sind ETFs oftmals ein fester Bestandteil ihres Portfolios. Die Vielzahl an Vorteilen lässt sich nicht abstreiten. Könnten die ETFs aber mit wachsenden Zuflüssen zu einem wachsenden Problem für unsere Märkte werden? Vor diesem Hintergrund bleibt es spannend zu beobachten, ob und wann die Regulierungskräfte hier eingreifen werden, beispielsweise mit Handelslimits bei außergewöhnlichen Marktbewegungen. Was denkt ihr zu diesem Thema? Sind ETFs eine schlummernde Gefahr oder sollte man sich keine Sorgen um unsere Märkte aufgrund von ETFs machen und lieber auf andere Problemquellen sein Augenmerk legen? Kommentiert gerne unter diesem Blog!

Quellen: faz.de

Autorin: Xenia Krouptchenkova

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