Januar 2022

Wir freuen uns sehr über das Interesse an unserem achten HSBA Finance Blog! Viel Spaß beim Lesen des Januar-Blogs.

Monatliches Marktupdate

„Volatility is back“ – das ist die Devise, welche gerade an den globalen Märkten umgeht. Dass Anleger sich nun auf volatilere Zeiten einstellen müssen, ist mit diesem Jahresauftakt klar geworden. Die globalen Märkte sind allerdings nicht nur turbulent, sondern im Vergleich zu den Vormonaten auch schwach gestartet. In Summe erlebten die globalen Aktienmärkte einen Rückgang um 5,3% im Januar. Zwei Sektoren, welche dennoch profitieren konnten, waren der Energie- und der Finanzsektor. Energieunternehmen wurden in diesem Monat aufgrund stark steigender Energiepreise in neue Höhen beflügelt, und der Finanzsektor konnte von den Zinserwartungen profitieren. Diese Bewegungen haben auch zu einer starken Outperformance von Value gegenüber Growth Aktien geführt, wie zuletzt vor 20 Jahren. Growth Investoren mussten in diesem Monat starke Nerven behalten und sich für eine turbulente Zukunft rüsten. Im Januar sanken Growth Aktien global um rund 9,3%.

Der Rentensektor erlebte einen Rückgang von rund 2%, was vor allem auf steigende Zinskurven zurückzuführen ist. Drei Themen werden aktuell stark diskutiert. Zum einen die weiterhin hohe, und teils steigende Inflation, welche uns wohl kurz- bis mittelfristig weiter begleiten wird. Zudem bereiten die von der Fed angekündigten Zinssteigerungen vielen Investoren Sorgen, was zu den starken Abverkäufen im Januar beigetragen hat.

Das dritte Thema ist der aufbrausende Konflikt in Osteuropa. Russland zieht seine Truppenstärke nun so sehr an die ukrainische Grenze, dass die NATO und insbesondere die USA nicht nur Besorgnis zeigen, sondern auch eine alarmierende Bereitschaft für den Ernstfall haben. Bei einem möglichen Kriegsausbruch in Osteuropa fürchten viele vor allem weiter überproportional steigende Energiekosten, was die Inflation weiter anfeuern würde. Bei aller Unsicherheit über die aktuellen Entwicklungen ist allerdings eines Gewiss: Die Akteure an den Märkten müssen sich fest anschnallen für die turbulenten Monate, die vor uns liegen. 

Quellen: am.jpmorgan.com

Autor: Xenia Krouptchenkova 

Karrieremöglichkeiten in Finance: Asset Management

Der englische Begriff „Asset Management“ umfasst den Bereich der Vermögensverwaltung.

Das Ziel des Asset Managements besteht darin, den Wert eines Anlageportfolios im Laufe der Zeit zu maximieren und gleichzeitig ein akzeptables Risikoniveau beizubehalten.

Die Vermögensverwaltung als Dienstleistung wird von Finanzinstituten angeboten, die sich an vermögende Privatpersonen, staatliche Einrichtungen, Unternehmen und institutionelle Anleger wie Hochschulen und Pensionsfonds wenden.

In Deutschland ist die rechtlich korrekte Bezeichnung der Asset Management Dienste die Finanzportfolioverwaltung (§1 Abs. 1a 3KWG). Im Gegensatz zur Anlageberatung, wo lediglich Anlagevorschläge in Form von Beratungen gegeben werden, werden im Asset Management auch Anlageentscheidungen eigenständig durch den Vermögensverwalter:innen getroffen und umgesetzt. Vermögensverwalter:innnen ergründen zunächst mit dem/der Kunden/-in dessen langfristige finanzielle Ziele und Risikobereitschaft. Daraufhin schlagen Verwalter:innen eine Mischung von Anlagen vor, die diesen Zielen entsprechen und setzen dies für ihn/sie um.

Asset Manager:innen sind dafür verantwortlich das Portfolio des/der Kunden/-in zu erstellen, es von Tag zu Tag zu überwachen, bei Bedarf Änderungen vorzunehmen und den/die Kunden/-in regelmäßig über diese Änderungen zu informieren.

Im Jahr 2021 waren die fünf größten Unternehmen in der Kategorie Vermögenserwaltung – basierend auf dem weltweit verwalteten Vermögen – Black Rock (9,5 Billionen USD), The Vanguard Group (8,4 Billionen USD), UBS Group (4,4 Billionen USD), Fidelity Investments (4,2 Billionen USD) und State Street Global Advisors (3,9 Billionen USD).

Neben einem ausgeprägten Interesse an volkswirtschaftlichen Zusammenhängen und Kapitalmärkten ist im deutschsprachigen Raum ein wirtschaftswissenschaftliches, naturwissenschaftliches oder mathematisches Studium im Regelfall eine Voraussetzung für den Einstieg ins Asset-Management.

Mit dem Ziel bei einer großen Bank oder Investmentfondsgesellschaft einzusteigen, sind überdurchschnittlich gute Noten im Studium gepaart mit relevanten Praxiserfahrungen durch Praktika Pflicht. Diese Unternehmen sind äußerst wählerisch und stellen in der Regel nur die vielversprechendsten Absolventen ein.

Auch bei einer örtlichen oder kleineren Banken sind zum Einstieg praktische Erfahrungen im Finanzsektor gerne gesehen oder sogar erforderlich. Auch Auslandserfahrungen werden positiv wahrgenommen. Ein Fokus auf Fächer mit quantitativem Schwerpunkt im Studium ist optimal.

Wer im Asset-Management als Portfoliomanager:in Karriere machen möchte, kommt langfristig wohl kaum an dem international anerkannten Chartered Financial Analyst (CFA) Examen vorbei. Voraussetzung für den Erhalt dieses Titels ist das Bestehen von drei Prüfungen und vier Jahren Berufserfahrungen im Anwendungsbereich. Während des Studiums ist es bereits möglich die erste Prüfung abzulegen.

Laut einer Untersuchung von Robert Walters aus 2015  liegen die zu erwartenden Jahresgehälter von Fondsmanagern:innen mit drei bis sieben Jahren Berufserfahrung zwischen 70.000-135.000€. Bei Vertriebspositionen liegen die Erwartungen zwischen 70.000-210.000€. Hinzu kommen noch die nicht unerheblichen Boni. Damit sollten die Gehaltsaussichten höher als in der Realwirtschaft, aber niedriger als im Investment Banking liegen.

Quellen: investopedia.com, efinancialcareers.de, bankinghub.de

Autor: Henning Krahmer

Ein Aufruf zur finanziellen Unabhängigkeit

Im heutigen Monat möchte ich euch das Finanzbuch „Madame Moneypenny: Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können“ von Natascha Wegelin vorstellen. Wie der Titel bereits verrät, ist das Buch vor allem an die weibliche Leserschaft adressiert, denn bekannterweise arbeiten Frauen häufiger in Teilzeit, verdienen weniger Geld – Stichwort: „Gender Pay Gap“ – und zahlen somit auch weniger in die Rentenkasse ein. Dies führt in vielen Fällen zu finanzieller Abhängigkeit und dem Vernachlässigen von finanziellen Entscheidungen. Um diesem gesellschaftlichen Problem entgegenzuwirken, hat Natascha Wegelin nicht nur ihren bekannten Finanzblog „Madame Moneypenny“ ins Leben gerufen, sondern eben auch das hier vorgestellte Buch geschrieben. Ziel des Buchs ist es Frauen die Angst vor dem Thema Finanzen zu nehmen und ihnen somit einen Weg zur finanziellen Unabhängigkeit sowie Freiheit zu schaffen. Durch den sehr simplen Schreibstil werden die oft komplex empfundenen makroökonomische Zusammenhänge und Finanzbegriffe für alle Leser:innen zugänglich.

Anhand eines fiktiven Grillabends mit ihren Eltern, ihrer Schwester und dessen Freund erklärt Wegelin wie man selbst über seine Finanzen Kontrolle erlangt und worauf man dabei besonders achten soll. Dabei werden auch die fundamentalen Aspekte des Investierens aufgegriffen. Nach jedem Kapitel stellt die Autorin den Lesern:innen eine Aufgabe, damit das theoretisch Gelernte auch direkt in der Praxis (im kleineren Rahmen) angewandt wird. Zusätzlich folgt nach jedem Kapital ein Interview, in denen unterschiedliche Frauen erzählen, wie sich ihr Leben verändert hat, seitdem sie sich mit ihren Finanzen auseinandersetzen. Die wechselnden Perspektiven und das aktive Miteinbinden der Leserschaft vereinen theoretische Lerninhalte mit tatsächlichen Erfolgserlebnissen und betonen nochmals Wegelins Appell (an Frauen), sich mit seinen Finanzen auseinanderzusetzen.

Die wichtigsten Lektionen, die Wegelin ihren Lesern:innen mitgibt, lassen sich so zusammenfassen:

  1. Durch Prokrastination bewegt man sich nicht von der Stelle, an der man zurzeit steht. Dies soll ein Aufruf an diejenigen sein, die durch Ausreden versuchen, Themen vor sich herzuschieben. Viele glauben der Einstieg in die Finanzwelt ist schwer, laut Wegelin ist es jedoch eine Angelegenheit der Verteilung von Prioritäten. Denn wenn es beispielsweise darum geht ein neues Auto zu kaufen, opfert man bereitwillig seine Freizeit um zig Modelle, Preise und Ausstattungen miteinander zu vergleichen, um das bestmögliche vom Besten herauszupicken. Warum wendet man nicht denselben Ehrgeiz und Enthusiasmus an, um sich mit seinen eigenen Finanzen (oder auch anderen Themen) besser auszukennen?
  2. Mithilfe eines (digitalen) Haushaltsbuches kann man seine genauen Einnahmen und Ausgaben besser nachvollziehen, kritisch bewerten und gegebenenfalls weitere Maßnahmen einleiten. Denn erst wenn man seine Cash-Flows kennt, kann man nachhaltiges Sparen sowie Vermögensaufbau planen.
  3. Sunk Costs oder irreversible Kosten sind Ausgaben die geschehen sind und nicht rückgängig gemacht werden können. Deshalb sollten sie auch Entscheidungen hinsichtlich laufenden oder zukünftigen Investments nicht beeinflussen. Vielleicht hast du zurzeit auch laufende Verträge, Abonnements oder Versicherungen abgeschlossen, in denen du bereits sehr viel investiert hast, diese jedoch keinen Mehrwert bieten. Dann ist dies jetzt dein Zeichen diese zu kündigen.
  4. Der Vermögensaufbau ist vergleichbar mit den Wasserterrassen, die man aus südeuropäischen Ländern kennt. Und zwar füllt sich eine Terrasse solange mit Wasser, bis diese überquellt und das Wasser in die nächstdarunterliegende Terrasse hineinfließt. Bezogen auf den Vermögensaufbau gibt es vier Terrassen, die man mit Wasser bzw. mit Geld füllt. Bei der ersten Terrasse handelt es sich um Schulden, die zuerst getilgt werden müssen, bevor man zur zweiten Terrasse – dem Notgroschen – übergeht. Der Notgroschen ist individuell je nach Bedürfnissen und Lebensstand festzulegen – in der Praxis spricht man von drei bis sechs Monatsgehältern. Bei der dritten Terrasse sorgt man dann für die Grundsicherung für das Alter aus. Erst wenn diese drei Terrassen mit Geld gefüllt sind, geht man zu der letzten Terrasse über, nämlich dem Vermögensaufbau. Beim Vermögensaufbau wird nur Geld in passiven Einkommensquellen investiert, das man kurz- und mittelfristig nicht benötigt.
  5. Bevor man wild in Aktien investiert, sollte man sich tiefgründig mit der Thematik auseinandersetzen und eine Strategie entwickeln. Wegelin erklärt hierzu die Basics zu Einzelaktien sowie aktiven und passiven Fonds. Begrifflichkeiten wie beispielsweise Buy-Hold-Strategie, Streuung durch Diversifikation sowie thesaurierende vs. ausschüttende Aktien werden dir nach Lesen des Buchs nicht mehr fremd sein.

Meines Erachtens erfüllt das Buch spielerisch und interaktiv die Rolle eines finanziellen Ratgebers und schafft eine gute Grundlage für diejenigen, die sich bis jetzt noch gar nicht oder nur wenig mit ihren eigenen Finanzen auseinandergesetzt haben.

Quelle: „Madame Moneypenny: Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können“ von Natascha Wegelin

Bildrechte: © Rowohlt Verlag

Autorin: Anastasija Djokic

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